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über Hausmusik

.....für 2 jahre traf sich allsamstaglich im sagenumwobenen wechslerhof bei landsberg das legendäre gitarrenwandkellerprojekt "fred-stocker-quartett", um in wechselnder besetzung mit mindestens 4 gitarren und 1 oder 2 schlagzeugen und baß zu musizieren, zu singen und froh zu sein. doch im sommer 1990 veränderte sich die situation mit dem kauf eines 4-spur-taperecorders, der vom "quartett" misstrauisch beäugt wurde, da das konzept hieß: hausmusik ohne konservierung und ohne auftritte.

aber : die idee eine platte zu machen war schon lange ein wunsch von wolfgang petters. da ihm jedoch eine von ihm alleine eingespielte schallplatte mit ziemlicher sicherheit zu langweilig werden würde und das fred-stocker-quartett einer veröffentlichung skeptisch gegenüberstand, hatte er in seinem freundeskreis herumgefragt, wer denn lust habe mitzuwirken, wobei das glück, notwist im rücken zu haben sicherlich ein wichtiger punkt war. so begannen die aufnahmen im februar 1991 und mit den aufnahmen entstanden immer neue bands und projekte, teilweise wurde nie mehr zusammen musik gemacht aber manche bands gibt es auch heute noch wie village of savoonga oder fred is dead, hervorgegangen aus eben jenem "fred-stocker-quartett" und auf dem sampler noch mit zwei beiträgen unter anderem namen vertreten.

jedenfalls waren bis zum sommer 14 stücke von 13 bands mit 17 musikern, auch das mürrische fred-stocker-quartett war vertreten, im wohnzimmer, im schlafzimmer und im sagenumwobenen wechslerhof aufgenommen und wurden im phase 4 studio abgemischt. auf dem weg in den urlaub an die atlantikküste fuhr wolfgang petters noch einen kleinen schlenker über northeim um bei pauler acoustics zu mastern und dann ab zum meer und warten.......

dann war der urlaub vorbei, der sommer noch nicht und in einer beispiellosen hilfsaktion trafen sich im garten der familie kaun freunde und bekannte um das ganze endgültig zu einem gemeinsamen projekt zu machen. mit lineal, teppichmesser und scheren ausgerüstet schnitten sie die hausform für das cover mit haustüre aus. 1000 mal! im dachboden der familie arnold falzten und falteten eben diese selbstlosen menschen den karton und zu guter letzt wurde alles mit einer tapetenwalze bedruckt und nummeriert. das cover war fertig, die platten kamen auch rechtzeitig und dann galt es nur noch das ganze mit den zahlreichen beiblättern und comics zusammenzustecken und am 14. september 1991 war es soweit: eine rauschende plattenparty im wechslerhof und es ging los..................

nach der veröffenlichung der compilation hatten die musiker erstmals das wunderbare gefühl genießen können einige der stücke im radio in der sendung zündfunk zu hören. Und dann die sensation - der zündfunk macht eine live-konzertübertragung und lädt hausmusik dazu ein. die nachfrage, ob die musiker denn bühnenerfahren seien, wird mit einem größenwahnsinnigen "ja, natürlich" beantwortet - gelogen! Für einige gab es dann zum vom radio live übertragenen bühnendebut auch zittrige knie und hände, aber das konzert wurde durch die großartigen notwist, die auch zu diesem zeitpunkt schon sicher und professionell auftraten, über die bühne gewackelt, da sich das hausmusik-kollektiv den auftritt mit notwist teilte................. und alle waren glücklich.

von der ersten veröffentlichung an dauerte es ein ganzes jahr bis village of savoonga ihre debut-lp auf hausmusik/kollaps. im gleichen stil: 4-spur-aufnahmen auf vinyl im handgemachten cover. dann ging es schlag auf schlag: einige bands lösten sich auf, andere gründeten sich neu. im dritten jahr dann gab es veröffentlichungen von fred is dead, make my day und wieder einen sampler, dieses mal eine 2x7" mit klappcover und einer pop-up-fledermaus mit dem schönen namen "flederhausmusik". Und dann übernahmen 1994 die borrowed tunes eine vorreiterrolle, indem sie erstmals ein nicht handgemachtes cover wollten. für die einen ein frevel, für die anderen ein fortschritt. auf jeden fall und wie immer wurde massenhaft diskutiert, bis man überzeugt wurde, oder überzeugt hat und am ende hat eh jeder das gemacht was er für richtig hielt und das war es dann wohl auch, oder es hat zumindest neue erfahrungen gebracht. borrowed tunes waren es, die sich als erste für eine veröffentlichung auch im cd format ausgesprochen haben. nachdem contrabanda ihre samtsingle und a million mercies die 10", auf der erstmals in der hausmusikgeschichte ein drumcomputer verwendet wurde,veröffentlichten und mit konzert auf einem bulldog-anhänger vor dem wechslerhof zur plattenparty einluden, wurde auch eine weitere phase beendet, um eine drohende wiederholung zu verhindern.

es stellte sich schon sehr früh heraus, dass es besser ist gemeinsam an einer sache zu arbeiten als gegeneinander. also schlossen sich schon sehr früh die labels hausmusik, kollaps und i.c.r. (später payola) zu einem verbund zusammen. ein gemeinsamen katalog zu haben um die musikszene aus landsberg / weilheim zusammen bekannter zu machen. mehr veröffentlichungen bringen mehr aufmerksamkeit und die musiker konnten sich aussuchen, welche veröffentlichung sie auf welchem label machen wollten. nach einem konzert von fred is dead mit palace brothers in der münchner kulturstation im spätsommer 1994 wurde der gute will oldham gefragt ob er denn vielleicht eine 7" auf hausmusik machen möchte. er hat zugesagt, ein dat geschickt und damit wurden mit einem mal viele auf hausmusik aufmerksam. es ergaben sich neue vertriebsmöglichkeiten. der vertrieb naptime aus holland kümmerte sich rührend um die labelfamilie hausmusik - kollaps - i.c.r. - payola und brachte die platten zwar in kleinen aber feinen stückzahlen in ganz europa in die läden.

eine weitere tür öffnete sich und wie aus heiterem wüstenhimmel calexico kam auf den plan. giant sand spielte mit den borrowed tunes in der alten mälzerei in regensburg und joey burns fragte nach der begutachtung der platten: ob hausmusik interesse hätte eine 7" von einem nebenprojekt von giant sand zu veröffentlichen. er schickte eine cassette und die war verdammt noch mal so ziemlich das beste, was dieses genre zu bieten hat. nach kurzem telefonat hin und her und der überredung, sie sollten doch eine ganze lp zusammenstellen, schickten sie den cover-entwurf . das master und das war auch noch um einiges besser als das demo tape. zur realisierung blieben etwa 4 wochen, dazwischen war auch noch weihnachten. jedoch kamen tatsächlich die platten und die wunderschönen klapp-cover am gleichen tag an, wurden zusammengesteckt und an einem grauen januartag 1996 im auto zum giant sand konzert nach salzburg gebracht. joey burns und john convertino, die auf dieser tour immer das konzert mit einem eigenen set eröffneten, eröffneten andererseits auch, dass sie flugs ihren namen von spoke in calexico umbenannt haben. doch da war auf der lp keine änderung mehr möglich und so blieb es dabei, dass auf der lp nur spoke steht und auf der cd, die etwa 10 monate später bei quarterstick erschien, calexico - spoke. Als vorerst letzte band außerhalb der weilheim / landsberg region kam danach eine wunderschöne 7" von smog heraus.

die ganze situation verlangte immer mehr einsatz, jedoch war einiges an enthusiasmus durch das ausschneiden und zusammenkleben von 1000 fledermausflügeln aufgebraucht. gleichzeitig verließen immer mehr leute aus dem musikalischen umfeld das gebiet um den schönen ammersee, wie es in vielen kleinstädten eben stattfindet, und was als gemeinsames freizeitvergnügen begann musste professioneller werden. die handgemachten cover wurden weniger, die öffentlichkeitsarbeit mehr. Dennoch gibt es bis heute immer noch siebdruck-cover und limitierte sondereditionen. Auch die musik änderte sich: die elektronik hielt einzug. trotzdem bietet hausmusik auch nach zehn jahren ein kunterbuntes program mit akustischem, lärmenden, rockendem, experimentellem bis hin zu elektronika und pop. Als naptime ende 1997 die pforten schloß gab es einen kurzen schock und dann ein neues ufer: nach eigener aufnahme, eigenem label nun auch ein eigener vertrieb, im frühjahr 1998 begann mit dem hausmusik-vertrieb ein neues kapitel. zu dieser zeit kam die idee einer 7" serie unter dem namen reihenhausmusik um eine debut-möglichkeit für neue bands zu schaffen. einige dieser bands haben sich mittlerweile einen namen gemacht, wie lali puna, iso 68 oder hessen. ein paar monate später stieß thomas morr zum vertrieb und half wolfgang petters, diesen weiter auszubauen. er gründete im darauf folgenden sommer sein eigenes label morr music . zuerst unterstützte ihn hausmusik mit vorhandenen vertriebswegen im ausland und schnell half das label morr music dem vertrieb hausmusik neue kontakte zu knüpfen und das prinzip der gegenseitigen unterstützung bleibt weiter ein wichtiger bestandteil der arbeit.

im mai 2000 kam dann der größte bruch mit der vergangenheit. hausmusik verlässt landsberg und zieht aus der wohnung in der salzgasse aus und in büro- und lagerräume nach münchen. Der letzte macht das licht aus und der vertrieb findet sich mit einem mal wieder in der mitte der familie, die eh schon über die jahre nach münchen gezogen ist. Der traum vom eigenen plattenladen wird realisisiert und in den kellerräumen ein studio eingerichtet. Auch das bandspektrum hat sich erweitert, neue projekte wie tingis, carlo fashion, queen of japan und video noise tauchen auf............ und es geht weiter..............

das jahr 2001 stand mit seiner planung ganz im zeichen des zehnjährigen jubiläums von hausmusik. ein drei-tages-festival als eine art werkschau mit allem was rang und namen hat, dazu eine 3lp-box (auch als cd-version) mit cd-rom und begleitheft, sollte alles in den schatten stellen was hausmusik bis dahin zu bieten hatte.... und dann überdeckte ein viel größerer schatten die szenerie. 2 tage vor dem festivalbeginn war der 11. september und die ereignisse dieses tages ließen ein ausgelassenes feiern nicht mehr zu. nach einigem hin und her wurde schließlich entschieden, das festival doch stattfinden zu lassen und es wurde jedem künstler selbst überlassen wie er mit seinem auftritt oder beitrag umgeht.

am zweiten festival-tag spielten village of savoonga ihr letztes konzert und obwohl sie sich gar nicht offiziell auflösten spielten sie aber nie mehr zusammen. das konzert wurde mitgeschnitten, 2002 auf kollaps/hausmusik veröffentlicht und spiegelt die stimmung dieser tage sehr gut wieder.

als alles wieder zur tagesordnung überging wurde immer mehr klar, dass sich viele band-projekte würden nicht mehr halten können. fred is dead wohnte mittlerweile in 4 verschiedenen stätten und so ging es anderen projekten auch. im frühjahr 2002 nahm fred is dead noch eine platte auf, die sie in anlehnung an phil ochs „greatest hits“ nannten. allerdings war es ein album mit lauter neuen stücken und nach einer kurzen abschieds-tournee an den plätzen an denen es immer am schönsten zum spielen war, saßen sie an der theke im münchner club 2 und tranken noch einen auf die schöne zeit.

der vertrieb blühte immer weiter und wurde immer größer, das label war ebenfalls aktiv. projekte wie iso68 oder squares on both sides tauchten auf und wurden veröffentlicht, die ungestümen hellfire brachten ebenfalls frischen wind in die bude - dazu kam die langjährige neuseeland-verbindung cakekitchen und die wunderbaren sodastream aus australien. Alle zeichen standen auf wachstum, der vertrieb wurde immer wichtiger, immer mehr labels kamen dazu und 2004 wurden die geschäftsräume wieder zu eng. hausmusik zog ein paar hundert meter weiter in die waltherstraße. Und es begann bereits die planung für das 15-jährige jubiläum.

ein buch mit doppelvinyl (bzw cd) sollte es ein und das miteinander, das hausmusik über die jahre ausgezeichnet hat, spiegelt sich hier wieder. unter dem titel „you can´t always listen to hausmusik, but...“ versammelten sich hier jede menge musiker, schriftsteller, künstler und autoren aus der hausmusik-geschichte die hier ihre werke in zusammenarbeit anfertigten. das dazugehörende festival fand im herbst 2006 statt und es war zu sehen, dass die musiker und künstler mit ihrem publikum älter wurden und so war es dann auch das letzte festival.

die branche hatte sich verändert, wenn siebbedruckte cover bereits anfang der nuller jahre schon anachronistisch anmuteten, so wurde nun immer klarer, dass der handel mit cd und vinyl ebenfalls in dieser form nicht würde bestehen können. alle indies kämpften ums überleben und wer sich nicht rechtzeitig download-rechte gesichert hatte und weiter vom physikalischen tonträger abhing, kam ins straucheln. auch hausmusik geriet immer mehr unter druck. innerhalb von wenigen monaten kollabierten die umsätze. Es wurde alles versucht das haus vor dem zusammenbruch zu bewahren und dennoch schlug es für viele wie eine bombe ein als am 12 september 2007 hausmusik seine vertriebenen labels benachrichtigte, dass es vorbei sei und um den bereits immensen schaden nicht weiter zu vergrößern die reissleine gezogen werden muss.

es folgte die bittere abwicklung des vertriebes mit ausverkauf und rücklieferung aber so ganz zu ende war es mit hausmusik irgendwie dennoch nicht. aus den trümmern entstand im herbst 2008 etwas neues: ein ladencafe unter dem namen hausmunik, in dem in erster linie veröffentlichungen aus münchen (tonträger, bücher, t-shirts...) zu haben waren. es fanden kleine aber feine lesungen von franz dobler, sabine kastius, katja huber oder karl bruckmeier statt, konzerte von eugene chadbourne, rumpeln, greg haines, dem sagenhaften okotber folk club oder die fast schon legendären weihnachtskonzerte von coconami und vieles mehr.

hausmunik feierte dennoch mit einem rauschenden fest im juli 2012 seinen abschied aus der gastronomie und die mittlerweile zum ein-mann-unternehmen geschrumpfte hausmusik-firma verlegte sich komplett auf den internet-handel. auch das label macht sich nach dem zusammenbruch wieder auf erneut zu veröffentlichen, wenn auch in minimalst möglichen rahmen.

2009 erschien in kooperation mit kollaps ein, eigentlich für 2007 geplantes album von carlo fashion und a million mercies brachte 15 jahre nach dem debut die folgeplatte „wir sind elektrisch“ raus, just in dem monat in dem hausmusik 20 jahre alt wurde. der startschuss zu dieser platte hätte jedoch bitterer nicht sein können. der tragische verlust des wegbegleiters und früheren schlagzeugers von fred is dead, thomas ganshorn, setzte energien frei die sich in musik verwandelte und so geht es einfach immer weiter ... und so erschien am 15. februar 2013 geradezu zwangsläufig ein weiteres album auf hausmusik. es ist das wunderbare, epische werk des hausmusik-urgesteins broken radio „it´s only fool´s gold“… mal sehen was die zukunft noch für überraschungen bereit hält....

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